Generationen verbinden – Zukunft gewinnen
Wie aus Reibung zwischen Jung und Alt produktive Energie wird: Einblicke von Hans-Josef Hinken und Yvonne Hägle auf Schloss Marbach.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Vimeo. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenWarum Generationenvielfalt zur strategischen Ressource wird
Der Arbeitsalltag in vielen Unternehmen hat sich leise, aber grundlegend verändert: Heute arbeiten bis zu vier Generationen gleichzeitig in einer Organisation. Babyboomer, Generation X, Millennials und Generation Z begegnen sich in Meetings, Projekten und Führungssituationen – mit unterschiedlichen Werten, Erwartungen und Arbeitsweisen.
Auf Schloss Marbach am Bodensee haben wir mit zwei Menschen gesprochen, die genau an dieser Schnittstelle arbeiten: Hans-Josef Hinken und Yvonne Hägle begleiten Unternehmen dabei, Generationenvielfalt bewusst zu nutzen – nicht als Konfliktfeld, sondern als Kraftquelle für Innovation, Zusammenarbeit und Wandel.
Der demografische Druck: Warum Generationen jetzt Chefsache sind
Hans-Josef Hinken bringt eine Zahl ins Spiel, die aufhorchen lässt: Bis 2035 klafft eine Lücke von rund sieben Millionen Arbeitskräften in Deutschland. Diese Lücke kann, realistisch betrachtet, nicht einfach durch neue Mitarbeitende geschlossen werden.
Für Unternehmen bedeutet das:
Sie müssen das vorhandene Potenzial im Unternehmen deutlich besser nutzen. Und genau hier kommt die Generationenfrage ins Spiel.
- Vier Generationen arbeiten zur gleichen Zeit zusammen.
- Jede Generation bringt eigene Stärken, Kommunikationsstile und Prägungen mit.
- Wo diese Unterschiede aufeinandertreffen, entsteht Reibung – und Reibung kann bremsen oder bewegen.
Hinken formuliert es sinngemäß so: Es kommt darauf an, wie die Generationen miteinander umgehen, ob Misstrauen und Zuschreibungen dominieren oder Vertrauen und Kooperation.
Ihr Ansatz: Generationen-Tandems und Formate, die echten Dialog ermöglichen.
Begegnung statt Bewertung: Was es wirklich braucht
Auf die Frage, was es aus ihrer Erfahrung braucht, damit echte Vielfalt zwischen Generationen entsteht, ist Yvonne Hägle klar:
1. Echte Begegnungen
Begegnung ist mehr als ein gemeinsames Meeting. Es geht um Nähe und Verständnis. Hägle nutzt gern das Bild: “Mach 100 Schritte in den Schuhen eines anderen, um ihn oder sie wirklich zu verstehen.”
Genau das versuchen sie in ihrer Arbeit erfahrbar zu machen. Ein Beispiel ist ihr Format „Generationen-Talk“: Einmal im Monat bringen sie Menschen verschiedener Generationen ins Gespräch, stellen drei bis vier Fragen und lassen dann den Dialog wirken.
Ein eindrückliches Feedback kam von einer jungen Teilnehmerin, Dana. Sie war überrascht, dass ihr Gesprächspartner, ein Babyboomer, ganz und gar nicht dem Klischee des „alten, weißen Mannes“ entsprach. Diese Erfahrung verändert Perspektiven – leise, aber nachhaltig.
2. Kommunikation auf Augenhöhe
Viele Bilder in unseren Köpfen sind noch von „oben“ und „unten“ geprägt: Die ältere Generation zeigt, wo es langgeht, die jüngere hat sich einzuordnen.
Doch organisationsübergreifend zeigt sich: So bleibt das Potenzial ungenutzt.
Was es stattdessen braucht:
- Augenhöhe zwischen Jung und Alt
- Bereitschaft, zuzuhören – auf beiden Seiten
- Offenheit, die eigene Sicht nicht für die einzig richtige zu halten
Wenn dieser Raum entsteht, werden Unterschiede nicht länger als Bedrohung wahrgenommen, sondern als Ergänzung und genau dort liegt der Mehrwert.
3. Stereotypen aktiv hinterfragen
Ein häufiger Fehler: Man stellt einfach „altersgemischte Teams“ zusammen und hofft, dass daraus automatisch Innovation entsteht. Das passiert aber nur dann, wenn die Beteiligten auch innerlich bereit sind – und ihre Bilder voneinander prüfen.
Hägle und Hinken arbeiten deshalb gezielt mit Altersbildern und Stereotypen:
- Welche unausgesprochenen Annahmen haben wir über „die Jungen“ oder „die Alten“?
- Wo liegen wir damit schlicht falsch?
- Wie sieht ein anderes, erweitertes Altersbild aus?
Indem diese Bilder sichtbar und bearbeitbar werden, lässt sich – wie sie sagen – unser Gehirn ein Stück weit „austricksen“. Der Perspektivwechsel wird zur bewussten Übung: Alt lernt von Jung, und Jung lernt von Alt. Ein echter Two-Way-Prozess.
Vertrauen als Basis – Leichtigkeit als Katalysator
Am Ende des Gesprächs auf Schloss Marbach stellen wir den beiden eine kleine Herausforderung: Wie würden Sie Ihre Zusammenarbeit in einem Satz beschreiben?
„Vertrauen mit Leichtigkeit erzeugen – und damit Großes gewinnen.”
“Wenn ich Hans mit Geduld und Offenheit begegne, können wir Großes bewegen.”
Vertrauen, Leichtigkeit, Geduld, Offenheit, das sind keine „weichen Themen“. Für Organisationen, die in Zeiten von Fachkräftemangel, Transformation und kulturellem Wandel zukunftsfähig bleiben wollen, sind es strategische Voraussetzungen.
Vita Hans-Josef Hinken
Hans-Josef Hinken arbeitet als Berater und Prozessbegleiter für generationenübergreifende Zusammenarbeit in Unternehmen und Verwaltungen. Mit langjähriger Führungs- und Projekterfahrung unterstützt er Organisationen dabei, das Potenzial von vier Generationen zu heben, Vertrauen zu stärken und Generationen-Tandems wirksam zu machen. Sein Fokus: Klarheit in der Kommunikation, Respekt vor unterschiedlichen Lebenswegen und ein Miteinander, das Zukunft ermöglicht.
Vita Yvonne Hägle
Yvonne Hägle ist Trainerin, Organisationsentwicklerin und Mitinitiatorin des „Generationen-Talks“. Sie begleitet Teams und Unternehmen dabei, Altersbilder zu hinterfragen, Stereotype aufzubrechen und echte Begegnungen zwischen den Generationen zu gestalten. Besonders am Herzen liegt ihr Kommunikation auf Augenhöhe, die Perspektiven verbindet und junge wie erfahrene Mitarbeitende gleichermaßen einlädt, Wandel aktiv mitzugestalten.
Marbach Leadership Talks
Schloss Marbach: Ein Ort, an dem Generationen in Dialog gehen
Gespräche wie dieses fühlen sich auf Schloss Marbach nicht theoretisch an. Wenn am Bodenseeufer ein erfahrener Geschäftsführer neben einer jungen Projektleiterin sitzt, wenn unterschiedliche Generationen gemeinsam in einen Reflexionsprozess gehen, wird sichtbar:
- Orte prägen Gespräche.
- Eine Umgebung, die Ruhe, Weitblick und Exzellenz ausstrahlt, macht es leichter, alte Muster loszulassen.
- Der Blick über den See öffnet oft auch den inneren Blick – aufeinander und auf sich selbst.
Schloss Marbach ist genau für solche Momente geschaffen: für Retreats, Strategieworkshops und Lernformate, in denen Generationenvielfalt zur Ressource wird – durch echte Begegnung, Dialog und gemeinsames Lernen.